Alice Schwarzers “Emma” wird 30

Berlin (dpa) - Alice Schwarzer (64) kann sich noch nicht zur Ruhe setzen: Nur ein Drittel aller deutschen Frauen sieht die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau weitgehend verwirklicht.

Alice Schwarzer freut sich über 30 Jahre, (c) dpa
61 Prozent der Frauen sind der Ansicht, dass “noch einiges getan werden muss”, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Allensbach-Umfrage zum 30-jährigen Bestehen der Zeitschrift “Emma” hervorgeht…

Besonders bei der Verteilung von Hausarbeit (70 Prozent) und beim Gehalt (79 Prozent) herrscht bei den Frauen noch Unzufriedenheit. Die meisten Männer (55 Prozent) halten hingegen die Gleichberechtigung für verwirklicht. Befragt wurden 2000 Menschen.

Der jüngst von der Fernsehmoderatorin Eva Herman vertretenen These: “Es wäre besser, wenn die Frauen sich wieder stärker um ihre Familien und den Haushalt kümmern würden, statt Karriere zu machen”, stimmten 24 Prozent der Frauen und 33 Prozent der Männer zu. “Emma”- Herausgeberin Alice Schwarzer zeigte sich am Freitag in Berlin erfreut, dass bei den Frauen unter 30 nur 12 Prozent die These befürworteten. Bei den jungen Männern sei es allerdings ein Viertel, das sich so konservativ zeige. “Da sieht man, dass es eine gewissen Strapaziertheit von der Emanzipation gibt”, sagte Schwarzer. Sie hob auch hervor, dass Rollenvorbilder wichtig seien. Als Beispiel saß TV- Moderatorin Anke Engelke mit auf dem Podium der Pressekonferenz.

Mit Eva Herman in einer Talkshow aufzutreten, wie damals mit Verena Feldbusch bei “Kerner”, lehnte Schwarzer als “Spektakel und Hennenkampf” ab. “Über sowas müssen wir uns nicht aufregen”, sagte sie mit Blick auf die Diskussion um Hermans Buch “Das Eva-Prinzip”. Hätte Herman ihr Buch unter einem Männernamen veröffentlicht, hätte es laut Schwarzer niemand ernst genommen. Als kleine Revanche kürte die “Emma” die “Tagessschau”-Sprecherin zum “Pascha des Monats”.

Die in Köln beheimatete “Emma” gründete Schwarzer mit einem Startkapital von damals 350 000 Mark. Heute hat sie eine Auflage von 40 000 Exemplaren und erreicht 120 000 Leser. Stolz sind die Blattmacherinnen, dass 54 Prozent der Leserinnen unter 40 Jahre alt und viele “erschlagend gebildet” (Schwarzer) seien. Mit Blick auf die Erfolge der Frauenbewegung wie zum Beispiel die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe sagte Schwarzer: “Ich finde, wir haben überwältigend viel erreicht.”

Mit Vergnügen verwies die Frauenrechtlerin auf die skeptischen Pressestimmen zum ersten Erscheinen der “Emma” am 26. Januar 1977. “Muss eine Zeitschrift für Emanzipation so schäbig sein?”, fragte etwa “Frau & Politik”. In der Jubiläumsausgabe meldet sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Wort. Sie ärgert an dem Blatt “die Tatsache, dass eine Zeitschrift wie “Emma” nach 30 Jahren immer noch gebraucht wird.”

© Artikel und Foto dpa

via GMX

Eine Reaktion zu “Alice Schwarzers “Emma” wird 30”

  1. Jürgen J.

    Na das ist doch nun wirklicher Quatsch!
    Die Emanzipation ist nicht nur abgeschlossen, sondern ist längst über´s Ziel hinausgeschossen.
    Wird echt Zeit für eine Männer-Emanzipation!

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